Die Reifen sind der vielleicht bedeutendste Teil des Autos. Sie beeinflussen das Fahrverhalten, die Sicherheit und den Spritverbrauch. Umso wichtiger ist es, die richtigen Sommerreifen zu kaufen. Worauf muss man beim Kauf achten? Was bedeuten die Buchstaben und Zahlen auf dem Reifen? Wann benutzt man Winter-, wann Sommerreifen? Wann ist ein Reifen alt? Hier sind die Antworten.

Wichtige Merkmale: Beim Kauf beachten

Zunächst sind die Anforderungen des Fahrzeuges wichtig für den Kauf der richtigen Sommerreifen. So müssen Geschwindigkeit, Gewichtsbelastung und Felgenbreite aus dem Fahrzeugschein oder der Bedienungsanleitung mit den Angaben auf dem Reifen übereinstimmen. Außerdem sind die folgenden Eigenschaften wichtig: Einige davon werden laut EU-Regelung seit 2012 auf einem "Reifen-Label" ausgeschrieben, andere können durch Vergleiche und Tests unabhängiger Stellen überprüft werden.

  • Fahr- und Bremsverhalten bei Trockenheit: Das Bremsverhalten und die Bodenhaftung wird von der Traction-Angabe dargestellt. Dieses sicherheitsrelevante Merkmal wird von der Länge des Bremsweges bestimmt und reicht von den Klassen AA bis C, wobei AA die beste Qualität anzeigt und Reifen unter Klasse C im Straßenverkehr unzulässig sind.
  • Verhalten auf Nässe: Die Nasshaftung gibt Auskunft über den Bremsweg bei 80 km/h und nasser Straße. Sommerreifen der Klasse B benötigen bereits drei Meter mehr Bremsweg als Reifen der Klasse A, und die niedrigste Klasse F sechs Meter mehr.
  • Kraftstoffverbrauch: Der Verbrauch wird vom Rollwiderstand beeinflusst und in Kategorien von A (beste) bis G eingeteilt. So verbraucht ein Fahrzeug mit Sommerreifen der Klasse B durchschnittlich 0,1 Liter auf 100 Kilometer mehr als eines mit Reifen der Klasse A.
  • Verschleißfestigkeit: Der so genannte "trade wear" Wert zeigt die Verschleißgeschwindigkeit des Sommerreifens an - im Vergleich zu einem Normreifen. Dabei bedeutet 100 den gleichen Verschleiß wie ein Normreifen, 300 entsprechend dreimal langsameren Verschleiß und 50 doppelt so schnellen. Üblich und empfehlenswert sind Werte von 250 bis 300.
  • Erwärmungswiderstand: Dieser Wert in den Kategorien A (beste Klasse), B und C bezeichnet die Fähigkeit des Reifens, Wärme abzuführen. Sommerreifen, die Wärme nur schlecht ableiten, beschädigen schneller.
  • Profileinschnitt: Hierbei unterscheidet man zwischen asymmetrischen und symmetrischen Profilen, also danach, ob die Reifen an Innen- und Außenseite gleich aussehen. Asymmetrische Sommerreifen sind leiser und außerdem stabiler in Kurven.
  • Geräuschentwicklung: Seit 2016 gelten neue Regelungen über die maximale Lautstärke (in Dezibel) der Reifen beim Vorbeifahren. Ein Sommerreifen mit einem Symbol aus drei Schallwellen ist nur bis 2016 gültig. Zwei Schallwellen deuten auf den gültigen EU-Standard hin oder auf Reifen, die bis zu drei Dezibel leiser sind. Eine Schallwelle bedeutet, der Sommerreifen unterschreitet den neuen Grenzwert um mehr als drei Dezibel.
  • Hersteller: Manche Autohersteller fordern durch bestimmte Anforderungen, zum Beispiel die Felgenbreite, den Kauf bestimmter Reifen und Typen. Ist das nicht der Fall, schränkt außer der persönlichen Vorliebe nichts den Reifenhersteller ein.

Welche Hersteller gibt es?

Es gibt viele verschiedene Hersteller von Sommerreifen. Die bekanntesten sind Continental, Pirelli, Michelin, Atlas, Tristar, Dunlop, Bridgestone, Goodyear, Falken und Viking. Viele raten von amerikanischen Herstellern (z.B. Cooper) ab. Zum einen hat die USA weniger (und weniger strenge) Normen und Richtlinien als die EU und Deutschland. Zum anderen gelten in den USA weniger hohe Höchstgeschwindigkeiten. Dadurch sind Reifen, die in Amerika gute Qualität haben, in Deutschland (bei höheren Geschwindigkeiten) viel schneller abgefahren und nicht mehr benutzbar. Ähnliche Urteile kursieren über die schlechte Qualität asiatischer Sommerreifen (z.B. von Hankook, GT Radial, Wanli), die häufig billiger sind.

Zahlen, Buchstaben, Zeichen: Was bedeutet die Reifenbezeichnung?

Betrachtet man den Reifen seitlich, sieht man prominent den Namen des Herstellers und Name oder Nummer des Types, meist auf gegenüberliegenden Seiten. Auf einer Seite aufgedruckt ist die Zusatzbezeichnung "reinforced", wenn der Reifen eine erhöhte Tragfähigkeit nachweist. Das ist nützlich für Transporter, Kleinbusse oder Geländewagen. Ebenfalls auf dieser Seite findet sich eine Reihe Zahlen hinter der Bezeichnung "DOT". Die letzten Ziffern bezeichnen dabei das Herstellungsdatum. Ist ein Dreieck zu sehen, handelt es sich um einen Reifen aus den 90er Jahren - die vorletzten beiden Ziffern zeigen die Kalenderwoche, die letzte das Jahr. Neuere Reifen (seit 2000) ohne Dreieck haben eine vierstellige Kennnummer, bei der die ersten beiden die Woche und die letzten beiden das Jahr anzeigen. Auf der anderen Seite des Reifens befindet sich eine weitere Liste aus Zahlen und Buchstaben:

  • XXX/XX: hierbei handelt es sich um die Breite des Reifenquerschnittes in Millimetern und dahinter in Prozent das Verhältnis Reifenhöhe zu Reifenbreite. Die Reifenbreite üblicher PKW-Reifen beträgt zwischen 125 und 335 Millimetern. Sie hängt von der Felgenbreite ab - die Hinweise in den Fahrzeugpapieren oder der Bedienungsanleitung sind zu beachten.
  • R: dieser Buchstabe wird auf heute übliche Radialreifen aufgedruckt. Oldtimer tragen die Bezeichnung D für Diagonalreifen.
  • XX: der Felgendurchmesser in Zoll, in der Regel zwischen 10 und 20 '' - auch hier die Fahrzeugpapiere hinzuziehen.
  • XX A: diese Kombination bezeichnet eine Kennzahl für die Reifentragfähigkeit ("load index", LI-Wert), und einen Buchstabe für den Geschwindigkeitsindex. Der LI-Wert zeigt die Belastbarkeit an, so entsprechen zum Beispiel 70 LI 335 Kilogramm. Der mindestens einzuhaltende LI-Wert ist im Fahrzeugbrief notiert. Der Kennbuchstabe gibt die zulässige Höchstgeschwindigkeit des Reifens an - "U" steht zum Beispiel für 200 km/h, die Kennzeichnung reicht von 130 bis über 240 km/h.
  • TL: diese Buchstaben befinden sich auf den üblichen schlauchlosen ("tubeless") PKW-Reifen.

Zusätzlich kann sich auf Reifen mit besonderen Profilen (z.B. asymmetrischen) hinter der Bezeichnung "Drehrichtung", "Rotation" oder "direction" ein Pfeil befinden. Das ist die Laufrichtung des Reifens, die bei der Montage eingehalten muss, den Kauf aber nicht beeinflusst. Weitere Symbole sind "E" oder "e", das ECE-Prüfzeichen, dass die Einhaltung der europäischen Qualitätsnorm nachweist und seit 1980 Pflicht ist. Auf runderneuerten Reifen findet sich ein "R", gefolgt vom Datum der Erneuerung statt dem Herstellunsgsdatum.

Was bedeutet "ZR" bei Sommerreifen?

Liegt der Geschwindigkeitsindex eines Sommerreifen über 240 km/h, wird er als ZR gekennzeichnet. Dabei steht ZR statt dem R für Radialreifen in der Reifenkennzeichnung. ZR-Reifen sind auf Verwendbarkeit und Tragfähigkeit bei hohen Geschwindigkeiten geprüft. Der Austausch von R gegen ZR erfolgt bei Reifen für über 240 km/h freiwillig, bei Reifen für über 300 km/h verpflichtend.

Was bedeutet "m+s" auf Sommerreifen?

Das "m+s" Symbol deutet auf einen Ganzjahresreifen, der dem Winterbetrieb angepasst ist. "m+s" steht für "mud" (Matsch) und "snow" (Schnee). Schnee, Eisglätte und Matsch wird mit tieferem Profil, größeren Abstände und mehr Rillen begegnet. Außerdem ist die Mischung des Reifens besser an Frost angepasst. Die Bezeichnung "m+s" auf Sommerreifen ist allerdings kein genormtes Symbol und wird von Herstellern willkürlich benutzt. Es garantiert keine Sicherheit. Das sogenannte Alpin-Symbol, ein Berg mit einem Schneekristall, ist hingegen ein geprüftes Zeichen, das "echte" Winterreifen kennzeichnet.

Wie lange halten Sommerreifen?

Bis zu fünf Jahre nach Herstellungsdatum können die Reifen als "neuwertig" verkauft werden. Ältere Sommerreifen (sechs bis zehn Jahre alt) sind - auch unbenutzt - weniger elastisch, haben weniger Bodenhaftung und daher eine geringere Lebensdauer. In der Regel halten neue, qualitativ hochwertige Sommerreifen 35.000 bis 40.000 Kilometer im Jahr für drei bis vier Jahre aus - je nach persönlichem Fahrstil und besonderen Umständen (z.B. viele Notbremsungen). Danach sollte ein neues Set gekauft werden. Die Gummimischung wird alt, auch wenn das Profil zum Beispiel noch in Ordnung ist.

Was ist der Abnutzungsanzeiger TWI?

Der "tread ware indicator" TWI, auch Verschleißanzeiger, befindet sich mehrmals auf der Seite rund um den Sommerreifen. An den entsprechenden Stellen befinden sich flache Blöcke im Profil. Sind diese Anzeiger bündig mit der Oberfläche des Reifens, ist das Profil bis auf 1,6 Millimeter abgefahren und der Reifen sollte nicht weiter benutzt werden.

Wie viel Profil müssen Sommerreifen haben?

Der TMI zeigt eine Profiltiefe von 1,6 Millimeter an. Das ist die gesetzliche Norm. Experten und Hersteller weisen jedoch darauf hin, dass 1,6 Millimeter Profil nicht ausreicht. Sie empfehlen, Sommerreifen schon ab 3 Millimeter Profiltiefe auszutauschen, maximal jedoch bei 2 bis 2,5 Millimeter. Die Profiltiefe wird in der Mitte der Sommerreifen gemessen, zum Beispiel mit einer 1-Euro-Münze: verschwindet der Goldrand, ist das Profil 3mm tief.

Der perfekte Termin für den Reifenwechsel

Einen einheitlichen Termin gibt es nicht. Weder die "7-Grad-Regel" (Winterreifen bei Temperaturen unter 7 Grad Celsius), noch die "O bis O"-Regel (Sommerreifen von Ostern bis Oktober) sind zutreffend. In Höhenlagen werden Winterreifen deutlich früher eingesetzt als im schneefreien Flachland. Außerdem kann niemand den jährlichen Wintereinbruch terminlich festschreiben. Die oben genannten Regeln dienen als grobe Orientierung und eingängliche Erinnerungsstütze, um den rechtzeitigen Wechsel nicht zu vergessen.

Winterreifen auch im Sommer fahren?

Nein. Aufgrund ihrer speziellen Eigenschaften sind Winterreifen ideal für lockeren Schnee, glatte Straßen und Matsch. Im Sommer auf trockener Fahrbahn führen Winterreifen unter anderem zu einem erheblich längeren Bremsweg. Außerdem werden sie in der andauernden Hitze spröde. Dazu kommt generell schnellere Abnutzung und erhöhter Spritverbrauch.

Sommerreifen auch im Winter fahren?

Ebenfalls Nein. Sommerreifen sind auf keinen Fall an die Bedingungen in Schnee und Matsch angepasst - wenig Bodenhaftung, hohe Aquaplaning-Gefahr und Frostempfindlichkeit machen das Fahren mit Sommerreifen zu einem Sicherheitsrisiko.